Es ist unfassbar, was im Berliner Nahverkehr geschieht

Tagesspiegel-Leser Guido Feldhaus ist Neuberliner und erschüttert über die tägliche Gewalt in der Stadt. Sein Appell: ein Runder Tisch zum öffentlichen Nahverkehr. Diskutieren Sie mit oder schreiben Sie selbst einen Leserkommentar!


Es ist keinesfalls mein Ziel mich damit wichtig zu tun (ich bin in der Sache völlig unbedeutend). Es geht mir lediglich darum zu erfahren, ob es in der Hauptstadt auch nur noch eine einzige Institution gibt, die das Problem Gewalt im öffentlichen Raum – insbesondere im U- und S-Bahn-Umfeld –nachhaltig ernst nimmt und nicht nur bei medialem Blitzlichtgewitter aktiv wird, wenn ein Berliner mal wieder halbtot neben einem Bahngleis aufgefunden wird.

Ein aktueller Vorfall:

Am vergangenen Freitagabend fuhr ich mit der Tram vom U-Bahnhof Eberswalder Straße Richtung Frankfurter Tor. Dort stieg eine Gruppe jüngerer Männer zu, die in der sehr vollen Tram gleich Anti-Sprüche gegen unsere Gesellschaft anstimmten, offensichtlich um Fahrgäste zu provozieren.

Entsprechend entstanden temporär Wortgefechte. Am Bersarinplatz wollten diese „Mitbürger“ aussteigen, stießen noch einmal Drohungen aus und regierten auf eine Wortmeldung eines Passagiers , indem sie erneut in die Bahn gesprungen sind, um den Fahrgast mit einem gezielten Faustschlag auf ein Auge schwerstens zu verletzen. Das Auge war sofort blutunterlaufen, die Täter flüchteten. Alle Passagiere waren entweder desinteressiert oder so gehemmt nicht einzugreifen, obwohl eine klare zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber den Tätern bestand. Von Zivilcourage keine Spur. Am Frankfurter Tor machte ich die Fahrerin (ca. 20.30 Uhr) auf die Tat aufmerksam, die Tram stoppte. An der Kreuzung wurde von der Polizei gerade ein Verkehrsunfall aufgenommen, so konnte ich die Beamten über den Vorfall informieren.

Das Berliner Problem:

Der geschilderte Fall steht in einer Reihe von Erlebnissen, die ich als Neubürger in Berlin nach gut einem Jahr gemacht habe. Im März/April besuchte ich unter anderem dreimal den Hermannplatz (Huxleys Neue Welt zu Konzerten). Jedes Mal konnte ich Gewalt im öffentlichen Raum wahrnehmen – ohne danach zu suchen. Zweimal übelste Beschimpfungen von Passanten, einmal ein wie oben beschriebener Fall eines Faustschlages gegen einen alten Mann in der U-Bahn. Die noch viel dramatischeren Fälle am Bahnhof Friedrichstraße und Lichtenberg zeigen, dass in Berlin (anders als in jeder anderen deutschen Stadt) ein äußerst massives Gewaltproblem existiert. In Berlin ist man aber nicht bereit daraus die notwendigen Konsequenzen abzuleiten. Kameraüberwachung allein, die zudem nicht so offensichtlich ist, dass Täter diese unmittelbar wahrnehmen, reicht nicht aus, diese Exzesse gegenüber friedlichen Bürgern einzudämmen.

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